Lis Gort: Zimt02

18.10.2017 – 10.11.2017, kunst.wirt.schaft Graz

Zimt02 - An Author Jewelry's Narration

Artefakte und Repliken reflektieren die Entwicklung der Künstlerin Lis Gort und kulminieren in der Metamorphose des Gugelhupfs. Die Transformation der traditionell-österreichischen Backform steht für die neue Identität und Wahrnehmung in der Aneignung als Schmiedin und Autoren-Schmuckkünstlerin.

Artifacts and replicas reflect the self-development of the artist Lis Gort which culminates in the Gugelhupf metamorphosis. The transformation of a traditional Austrian baking mold stands for the new identity and different self-awareness in the affirmation as metalsmith and jewelry-author.

 

Zimt02: Die Gugelhupf-Metamorphose

Diese Ausstellung beinhaltet Exponate des Museum für interkulturelle Beziehungen Tainan (MICR Tainan) in Taiwan. Es ist das erste Mal, dass in Europa die Möglichkeit geschaffen wurde, Original-Funde aus den Gräbern von Duzitou zu zeigen. Alle gezeigten Artefakte sind Grabbeigaben und wurden 2013 im Zuge von Restaurierungsarbeiten des Bahnhofes Duzitou im District Guantian in Taiwan freigelegt. Unter den Objekten, die freigelegt wurden, befinden sich Schalen, Ornamente und rituelle Gegenstände. Weiters wurden von der Künstlerin für die Ausstellung 肉桂02 (Rougwei02) in Tainan 36 Repliken gefertigt, welche zu einem Teil hier einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Die Schlüsselelemente der Ausstellung sind ohne Zweifel die Fundstücke vom Gräberfeld Duzitou 02: Artefakte wie Porzellan-Krüge mit Kupfer-Aufsätzen, Halsschmuck und Kelche mit linearen Mustern, die wahrscheinlich alle aufgrund des Einflusses der La Tène-Kultur hergestellt wurden. Dieser La Tène-Einfluss auf Taiwan bestand sehr wahrscheinlich bereits seit ca. 300 BC. Weiters werden in dieser Ausstellung auch Objekte aus Gräbern des späten La Tène gezeigt, welche südostasiatische Kriterien aufweisen. Daraus ergeben sich folgende Schlüsse: Der Handel zwischen Asien und Europa spielte in der  Eisenzeit eine wichtige Rolle. Durch Bündnisse mit den Kelten (Insubres) kontrollierten die Phönizier den Zimthandel von der Hallstattregion bis nach MadagaskarDie von Taiwan ausgehende neolithische austronesische Expansion liefert Beweise für Schiffsrouten durch den Indischen Ozean bis nach Madagaskar. Die Austronesier entfalteten einen regen Gewürzhandel, der den Orient mit dem Okzident verband.

Eine Beschreibung von Plinius dem Älteren (24-79 AD.): “[…] bring it over vast seas on rafts which have no rudders to steer them or oars to push or pull them or sails or other aids to navigation; but instead only the spirit of man and human courage. What is more, they put out to sea in winter, around the time of the winter solstice, when the east winds are blowing their hardest. These winds drive them on a straight course, and from gulf to gulf. Now cinnamon is the chief object of their journey, and they say that these merchant-sailors take almost five years before they return, and that many perish. In exchange they carry back with them glassware and bronze ware, clothing, brooches, armlets, and necklaces. And that trade depends chiefly on women's fidelity to fashion.”

In der Autorenschmuck-Erzählung ist die Gugelhupfform Stellvertreterin für die Sozialisation und kulturellen Prägungen der Künstlerin und versinnbildlicht gleichzeitig ihre Reise nach Taiwan. Durch eine Metamorphose in der Yiliao-Phase wird diese nicht zufällig in eine Art Kelch (Gralslegende) verwandelt. Durch diese “Verwandlung“ werden alte Prägungen und lähmende Muster überkommen und ein-zu-sich-selber-Finden bzw. eine neue Identitätsbildung ist möglich.

Laut Rolf Oerter und Leo Montada basiert die Identitätsbildung des Menschen auf zwei Prozessen, nämlich Selbstgestaltung und Selbsterkenntnis. Selbstgestaltung: Gugelhupf Metamorphose in der Yiliao Phase: Mit dem Zerschneiden der Backformen wird durch aktives Gestalten eine Veränderung der alten Muster und Prägungen angedeutet. Selbsterkenntnis: Das Annehmen der eigenen Sterblichkeit spiegelt sich in der Materialwahl der Dahu Phase und Wushantou Phase. Oberflächen und Materialien wie Alaun, der sich durch seine Unbeständigkeit gegenüber einem feuchten Milieu auszeichnet oder die oxidierten und zerschlissenen Oberflächen der Gefäße der Wushantou Phase sprechen von Vergänglichkeit und Tod und spiegeln den Vanitas-Gedanken - alles ist eitel.

 

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